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Reiseberichte

Kanada und Alaska 2004

Wie alles begann

Buchhandlungen übten auf mich schon immer eine große Faszination aus. So ging ich auch im Urlaub, ich glaube es war 1990, mal wieder in eine hinein. Nachdem ich lange herumgestöbert hatte, traute ich mich nicht, einfach so herauszugehen. Deshalb erstand ich eine Ausgabe „Readers Digest“. Irgendwo am Ostseestrand liegend, las ich einen Buchauszug über Schlittenhunde und Abenteuer mit ihnen. Klang wirklich interessant!

Auf einmal stand ich bei eisiger Kälte auf den Kufen eines Holzschlittens, ließ die Hunde laufen und vergaß meine Schwiegermutter neben mir (dabei möchte ich aber ausdrücklich anmerken, dass ich eine wirklich nette Schwiegermutter habe, mit der ich mich gut verstehe).
Es gibt eben Schriftsteller, die einen sofort in ihren Bann ziehen. Also merkte ich mir den Namen „Dieter Kreutzkamp“ und besorgte mir das Buch „Husky Trail“. Von der ersten bis zur letzten Seite verschlang ich das Buch und war von den Bildern genauso begeistert wie von den Landschaftsschilderungen. Das war Abenteuer pur!

Wieder zu Hause nahm ich auch meine Mutter, die nach einem Schlaganfall an den Rollstuhl gefesselt war und nicht mehr sprechen konnte, mit auf die Reise. In kleinen Abschnitten las ich ihr das Buch vor und schwärmte von einer Reise nach Alaska – damals noch absolute Spinnerei.

Wenig später besuchte ich eine ältere Nachbarin, der ich irgendetwas in ein Zimmer der oberen Etage ihres Hauses tragen sollte. In dem Raum waren Bücher über Bücher. Mein Blick glitt über ein kleineres Regal unter der Dachschräge und blieb für einen Augenblick auf dem Buchtitel „Alaska“ hängen. Als Dank für die Hilfe bat meine Nachbarin mir an, mich bei Bedarf aus ihren Bücherschränken zu bedienen. Sie gehört zu den Menschen, die anscheinend gern etwas verleihen. Nun, da bat ich sie doch spontan um das Buch „Alaska“ von James A. Mitchener.

Mit dem Lesen dieses hatte es mich dann vollends erwischt, ich wurde „Alaskasüchtig“.

Ich las über Jahre jedes Buch, dass auch nur im Entferntesten mit diesem Land zu tun hat, sah mir jede Fernsehsendung dazu an und lieh mir Videos aus. Das Buch schenkte mir die freundliche Nachbarin übrigens, als sie bemerkte, was es bei mir ausgelöst hatte. Als der Autor Dieter Kreutzkamp in eine benachbarte Stadt zu einem Diavortrag zum Thema Alaska kam, verstand er es durch seinen Vortrag alle zu begeistern und meine Begeisterung noch zu steigern. Irgendwann musste ich dieses Land einfach mal besuchen.
Unsere Finanzen ließen dies leider absolut nicht zu. Mit zwei Kindern und einer Flaute im Baugeschäft, in der mein Mann tätig ist, war daran gar nicht zu denken. Aber Träumen ist doch wohl erlaubt?!
So gingen Jahre ins Land, mein Bücherschrank wurde immer einseitiger und all meine Freunde sammelten für mich Wissenswertes über „mein“ Land.

Im Mai 2002 erkrankte meine beste Freundin an Krebs. Das war ein riesiger Schock für mich. So etwas bekommt man doch nicht in unserem Alter, außerdem doch bitte nicht im engsten Freundeskreis.
Während sie im Krankenhaus lag und sich von der Operation erholte, brach ihr Mann im Alter von 48 Jahren mit Hirnblutungen zusammen und erlitt einen Schlaganfall. Damit war innerhalb von 14 Tagen für sie, aber auch für mich, eine Welt zusammengebrochen. Wir haben doch noch so viel vor, da passt doch weder Krankheit noch Behinderung in die Lebensplanung. Ich möchte doch noch so viel erleben. Wie schnell kann alles anders kommen, jetzt wurde es mir klar. Damit stand fest: Ich musste einfach nach Alaska!

Bei der Trauerfeier eines älteren Herrn, mit dem ich mich in seinen letzten Lebensjahren angefreundet hatte, traf ich mich mit seinen Angehörigen, die im Osten Kanadas leben und von meinem Wunsch wussten. Zum Abschied fragten sie mich, wann ich denn endlich meine Reise antreten würde und luden mich ein, sie zu besuchen. Wir gaben uns die Hand und verabredeten uns für den September 2004, zum Indian Summer.

Damit hatte ich ein Versprechen gegeben, zwar mehr mir selbst, aber es war für mich bindend. Zu Hause teilte ich meiner Familie mit, dass ich die Reise im kommenden Jahr antreten werde. Und, oh Wunder, es gab keinerlei Einwände.

Nun hieß es, Reiseprospekte zu studieren.
Nach langen Planungen entschied ich mich für eine Hotelwanderreise durchs Yukon-Territorium und Alaska. Anschließend sollte es noch nach Ontario gehen, um den verabredeten Besuch in Guelph zu machen.

Am 31. August 2004 war es soweit, mein Traum sollte in Erfüllung gehen.

31. August 2004



Der Flug verlief erstaunlich gut. Meine Flugangst wurde von der Vorfreude „erschlagen“ und so landete ich wohlbehalten zur um 12 Uhr mittags am Flughafen Whitehorse. Das Bild zeigt „meinen“ Flieger, der kurz darauf weiter nach Anchorage flog.

Nachdem ich endlich mein Gepäck bekam, es verzögerte sich etwas, weil sich der Zollhund ausgerechnet für meinen Koffer etwas interessierte. Da ich definitiv nichts drin hatte, was für den Zoll interessant gewesen wäre, nehme ich an, der Hund bekam Witterung von meinen Hunden und schnüffelte deshalb etwas intensiver. Egal, es war dann alles in Ordnung und ich konnte den Zollbereich verlassen. Draußen stand ein sympathisch wirkender Herr mit einem Pappschild in der Hand und sammelte seine Truppe, zu der ich in den nächsten Tagen gehören sollte, zusammen. Er brachte uns zu einem Kleinbus mit einem Trailer, indem wir unser Gepäck verstauten. Unser Guide, Frederick Lemke, stammt ursprünglich aus Bad Oeynhausen, einem ca. 20 km von uns entfernt liegendem Ort. Die Welt ist doch ein Dorf! Er machte gleich mit uns eine kleine Rundfahrt um und durch Whitehorse, da unsere Hotelzimmer noch nicht bezugsfertig waren. So konnten wir am Miles Canyon einen ersten Blick auf den berühmten Yukon werfen, besichtigten die größte hölzerne Lachstreppe und bekamen einen ersten Eindruck von der Stadt.



Miles Canyon



Größte hölzerne Lachstreppe der Welt




Anschließend brachte er uns ins Hotel, wo ich meine Doppelzimmerhälfte kennen lernte. Der erste Eindruck war gut und es sollte sich auch herausstellen, dass Claudia ein sehr Nette ist, mit der ich mich nicht nur während der Reise, sondern auch heute noch, gut verstehe. Nach einem Treffen mit der Truppe im Hotel, hatten wir den restlichen Tag zur freien Verfügung. Ich machte mich gleich auf in die City von Whitehorse und suchte ein Souvenirgeschäft auf, in dem eine Bekannte von mir, die 10 Jahre zuvor ausgewandert war, arbeitet. Kurz vor meiner Abreise erfuhr ich, dass sie und ihre Familie inzwischen in Whitehorse leben, und konnte mich noch mit ihr in Verbindung setzen. Sie lud mich ein, den Abend bei ihr und ihrer Familie zu verbringen. Es wurde ein netter Abend. Wir tauschten Erinnerungen aus und ich ließ mir einiges über Land und Leute erzählen. Nicht zu spät, immerhin war es ein sehr langer Tag, brachte sie mich, nach einem Abstecher in einem Warenhaus, wo ich mich mit Proviant für den nächsten Tag eindeckte, zu meinem Hotel zurück. Hundemüde legte ich mich in mein schönes, breites Bett und konnte keine Minute schlafen. Ich war viel zu aufgewühlt von den Eindrücken und dem Erlebten.

1. September 2004



Trotz meiner inzwischen doch recht lange andauernden Wachphase konnte ich auch den folgenden Tag in vollen Zügen genießen. Wir fuhren auf dem Klondike Highway durch herrliche Landschaften von Whitehorse nach Skagway, machten einen kurzen Stop in Carcross





und Carcross Desert, der kleinsten Wüste der Welt,



besichtigten den Emerald Lake, der wegen seiner sensationellen Wasserfärbung auch Rainbow Lake genannt wird



und erwanderten ein Stück des berühmten Chilkoot Trails.





Hier sahen wir auch die ersten Lachse, die für ihre Wanderung zu den Laichgebieten unglaubliche Strapazen auf sich nehmen. Da die große Lachswanderung fast abgeschlossen war, lagen viele tote Fische an den Ufern der Flüsse und es roch entsprechend verwest. Die großen Raubtiere, Bären und Wölfe, waren einfach schon zu satt um sich als Umweltpolizei zu betätigen.



Abends besichtigten wir dann Skagway und aßen mit der Reisegruppe, sie bestand aus 10 Personen und unserem Guide, gemeinsam zu Abend. Hier hatte ich dann wieder ein Aha-Erlebnis. Beim Bezahlen merkte ich, dass mir nur eine Cola berechnet wurde, dabei hatte ich ganz sicher zwei Gläser getrunken. Da ich ein ehrlicher Mensch bin, meldete ich diesen Irrtum sofort. Erst jetzt erfuhr ich, dass es einen „Refill“-Preis gab. Man bezahlt ein Getränk, Kaffee, Tee oder eben Cola, und das Glas, die Tasse wird immer wieder aufgefüllt. Das hätte ich wissen müssen, ich hätte 5 Cola trinken können in der Zeit, hatte mich aus reiner Sparsamkeit so zurückgehalten!



2. September 2004

Am nächsten Morgen waren wir zunächst auf uns selbst gestellt. Unser Guide war bereits in der Nacht mit dem Kleinbus aufgebrochen, da die Fährverbindung geändert wurde. Wir sollten die morgendliche Fähre nehmen um die bizarre Welt des Lynn Fjords bis nach Haines genießen zu können, während Frederik nachts eine andere Fähre nahm. Zum Frühstück ging ich in ein uriges Lokal, wo ich „Eggs and Toast“ aß, danach machte ich noch einen Bummel durch Skagway, kaufte mein obligatorisches T-Shirt, die sammelte ich auf dieser Reise, und besorgte mir eine Telefonkarte.





Dann ging es auf die Fähre. Leider war das Wetter nicht besonders gut und die Aufnahmen von den ersten Walen haben nur dokumentarischen Wert. Trotzdem möchte ich sie zeigen. Glaubt es mir einfach, es waren Wale!



In Haines erwartete uns bereits Frederik und es ging auf die Fahrt nach Haines Junction. Kurz nach Verlassen der Pazifikküste passierten wir das Tal der Bald Eagles. Ich sah die ersten Weißkopfseeadler in Freiheit meines Lebens. Leider hielt Frederik nicht an und ich konnte keine Aufnahmen von ihnen machen. Er meinte, wir würden noch so viele dieser Art sehen, es lohne sich nicht, anzuhalten. Wir kamen auf der ganzen Tour nicht mehr so dicht an diese majestätischen Tiere heran. Im Nachhinein nehme ich ihm das noch ein bisschen übel. Dafür bekamen wir Gelegenheit einen Biber beim Dammbau zu beobachten, das entschädigte etwas.





Außerdem war die Aussicht beim Befahren der Haines Road so atemberaubend, dass es noch viele schöne Motive gab.
Nach dem Bezug unserer Zimmer in einem sehr schönen Motel machten wir noch eine herrliche Wanderung im Kluane Nationalpark.



Nach einem ersten Schreck, die Mounties streikten und die geplante Diavorführung am nächsten Tag sollte ausfallen, gab es schon Entwarnung. Die Mounties wurden ihrem Ruf, besonders nett zu sein, gerecht. Statt am nächsten Morgen, präsentierten sie die Diashow schon am Abend. So lasse ich mir Streiks gefallen! Hier noch Bilder von der abendlichen Wanderung:





Todmüde, aber sehr zufrieden, fiel ich danach in mein Bett.

3. Septenber 2004

Nach einem besonders guten Frühstück in unserem Motel genoss ich den Ausblick beim Zähneputzen. Da fiel es leicht, die von meinem Zahnarzt empfohlenen 3 Minuten auszudehnen und die Vorfreude auf die heutige Wanderung war groß.



Wir machten uns auf einen 16 Kilometer langen Trail mit beachtlichen Steigungen. Dank der berauschenden Aussicht war die Stimmung bestens. Zwar sahen wir „nur“ die Losungen von Elch und Bären, aber immerhin wuchs damit die Hoffnung, diese Tiere auch mal zu sehen.





Unsere Rucksackverpflegung nahmen wir an einem kleinen Flussbett, im Kies sitzend/hocken zu uns. Nicht sehr bequem, aber sehr urig.



Nach dieser Wanderung machten wir noch eine kurze Rast an einem der vielen Campgrounds, die wirklich an allen schönen Stellen zu finden sind. Inzwischen war es sehr kalt und windig geworden, so dass keiner darauf bestand, hier länger zu verweilen.



Am Abend ging ein Teil unserer Reisegruppe auf Empfehlung unseres Guides in eine sehr urige Bakery und, tja, wie soll ich es ausdrücken ? Wir nahmen Nahrung auf! Der Laden war auffallend schmutzig, obwohl der Wirt zwischendurch emsig den staubigen Boden fegte, wobei er keine Rücksicht auf Gäste oder seine Kleidung nehmen musste. Diese war schon so verdreckt, da konnte ruhig noch etwas Staub dazu kommen. Ich suchte mir ein Pizzastückchen in einer alten Vitrine aus, in der Annahme, das sie nur zur Anschauung dienen sollte. Weit gefehlt! Der Wirt nahm das Stück, ohne sich die Hände nach dem Fegen zu waschen mit den Fingern aus der Vitrine, erwärmte sie kurz in der Mikrowelle und servierte sie mir auf eine Servierte gelegt auf einem Tablett. Teller schienen vollkommen unnütz, bzw. nicht vorhanden.



Meine Belustigung war größer als meine Bedenken und ich ließ es mir, genau wie meine Reisegefährten, fröhlich schmecken. Fein essen gehen, kann man schließlich noch oft genug.

Die Nacht verbrachten wir wieder in unserem Motel und ich freute mich schon beim Einschlafen auf das gute Frühstück und das Zähneputzen!

4. September 2004

Heute stand ein weiterer Trail im Kluane Nationalpark auf dem Programm auf dem wir die ersten Bergziegen entdeckten. Bei einem Stop am traumhaft schönen St. Elias Lake sahen und hörten wir einen Eistaucher, er ist der Nationalvogel Kanadas und auf der kanadischen 1-Dollar-Münze abgebildet. Der charakteristische Ruf des männlichen Eistauchers ist ein extrem lautes melodisches Heulen, das weit trägt und zu den lautesten Rufen gehört, die in den arktischen Breiten zu hören sind. Wer ihn einmal gehört hat, wird es niemals vergessen. Ich trage seit der Rückkehr von meiner Reise eine Dollarmünze an meiner Halskette und zehre immer noch von dem Erlebten.



Frederik machte ein kleines Feuer, allerdings hatte sich keiner von uns im Vorfeld mit Steaks eingedeckt, und eigentlich war es auch noch viel zu früh zum Essen.



Auf der Fahrt nach Whitehorse legten wir noch eine Pause an einem weiteren Campground ein. Die Zufahrt war mehr als abenteuerlich, der Bus samt Trailer schlingerte sich über eine kaum erkennbare Straße zu einem Fluss hinunter und kam dabei ordentlich ins Schleudern. Doch auch hier wurden wir für das Abenteuer sofort entschädigt, da wir einen jungen Weißkopfseeadler, der noch nicht die Färbung der Altvögel hatte, beobachten konnten. Auch diese Aufnahmen haben nur dokumentarischen Wert, die Entfernung war doch etwas zu groß.



In Whitehorse angekommen forderte ich den ursprünglich angekündigten Besuch im Beringa Museum ein, der aus Zeitgründen ausfallen sollte. Erst war die Gruppe etwas „genervt“ über meine Sturheit, beschloss dann aber doch mit hineinzugehen und war mir anschließend wirklich so dankbar, wie ich es im Vorfeld „Ihr werdet mir vor Dankbarkeit die Füße küssen“ angekündigt hatte. Das Museum ist wirklich besuchenswert!
Abends gingen wir zu viert in ein Steakhouse und aßen hervorragend.



5. September 2004

Und wieder einmal ging es in aller Frühe los. Das Frühstück im Hotel war viel zu teuer, zumal ich in der Kürze der Zeit kaum etwas herunter brachte. 10 Dollar für ein Müsli und ein Orangensaft – das tut schon etwas weh! Ich verbuchte diese Ausgabe als Lehrgeld.

Über den nördlichen Klondike Highway führt die heutige Etappe bis hinauf nach Dawson City.
Mehrfach sahen wir auf der Tour den mächtigen Yukon River und besichtigten die berüchtigten „Five Finger Rapids“.
Diese gewaltigen Stromschnellen, die sich uns allerdings sehr friedlich präsentierten, wurden den Goldsuchern vergangener Tage oft zum Verhängnis.



Kurz vor Dawson machten wir noch Rast an diesem schönen See. Immer wieder war ich begeistert von den Farben des Indian Summers.



Dawson City befindet sich unmittelbar an der Mündung des Klondike Rivers in den Yukon. In dem historischen Städtchen wird noch heute, wie zur Jahrhundertwende, nach Gold gegraben. Nach einem Bummel durch die Stadt, stand noch ein Besuch von Diamond Tooth Gerties mit Casino und Cancan-Dance-Girls auf dem Programm. Das war zwar kurzweilig, würde sich aber nicht als einprägendes Reiseerlebnis in meinem Gedächtnis festsetzen.









Viel besser erinnere ich mich an ein Gespräch mit Reisekollegin Zitta, die beim Wandeln über die hölzernen Bürgersteige meinte, es sei hier doch wie in dem Film „Vom Winde verweht“. Woraufhin ich erwiderte, es fehle aber doch Rhett Butler! Sie warf einen Blick auf ihren Mann und meinte: Da ist er doch! Meinen Einwurf, Red sei doch ein anderes Kaliber und so etwas wie ihren Mann hätte ich auch zu Hause, nahm sie gar nicht richtig zur Kenntnis. Im Nachhinein muss ich ihr auch Recht geben, er ist wohl „ihr“ Rhett Butler!
Jeder hat eben seine eigenen Träume:-)

6. September 2004

Es geht doch – so einfach kann ein Frühstück aussehen!



Unser Hotel



Nach dieser Mahlzeit ging es bei Minus 10 Grad zu einer spektakulären Tageswanderung in einer einzigartigen, fast unwirklichen Umgebung aus Tundra und Gebirgslandschaft. Trotz der Kälte, die uns besonders beim Picknick auf einem Berggipfel zusetzte, war es ein unvergessliches Erlebnis. Hier hätte ich wochenlang bleiben können.



Tiere sahen wir kaum. Entweder waren sie nicht da oder zu gut getarnt, wie dieser Ptarmigan, den ich beinahe übersehen hätte.



Im Gegensatz zu diesem Elch, überlebten wir trotz Bärenwarnung zu Beginn der Wanderung.



Einen sehr schönen Ausblick genossen wir noch am Abend vom Hausberg Dawsons, dem Midnight Dome. Als kleine Beigabe konnten wir doch dem Start eines Gleitschirmfliegers beobachten und ein paar Bilder machen.







Anschließend machten Claudia und ich noch einen Bummel durch Dawson und aßen sehr gut bei Minustemperaturen auf der überdachten Terrasse von Klondike Kates. Zwar war es voll bis zum letzten Platz, aber man schob die Tische einfach noch näher zusammen und stellte einen weiteren für uns hinein. Viele kleine Öfen zwischen den Tischen sorgten für eine erträgliche Temperatur. Richtig zünftig!







7. September 2004

Der nächste Morgen begann mit einem Ausflug zum Bonanza Creek, wo wir riesige Schwimmbagger besichtigen konnten, die teilweise auch heute noch zum Goldschürfen genutzt werden. Dann ging es mit der Fähre über den Yukon und wir befuhren den Top of the World Highway um den höchst gelegenen Grenzübergang zwischen Kanada und der USA am Little Gold Creek zu überqueren. Dieser Highway, der größtenteils aus einer Schotterpiste besteht, ist für mich wirklich die schönste Straße der Welt. Die Aussicht war atemberaubend und die Bilder werde ich nie vergessen.







Die kleine Station an der Grenze war auch ein Erlebnis für sich. Zwei urige Hütten und einige Holzzäune, an denen Nummernschilder aus der ganzen Welt angebracht waren, mehr gab es eigentlich nicht. Vor der Hütte diese Tür:



Hinter der Tür sah ich den vollgestopftesten Raum, den ich je gesehen habe. Es gab einfach alles! Überall, an den Wänden und Decken, waren Visitenkarten aus aller Welt angebracht. Als ich vorsichtig eine von mir herauszog, wurde mir sofort ein Tacker gereicht und ich konnte meine ebenfalls anbringen.





Der erste Ort hinter der Grenze heißt Chicken. Bereits im Vorfeld meiner Reiseplanung sorgte dieser winzige Ort für Gesprächsstoff. Eigentlich sollte er Ptarmigan heißen, aber man war sich wohl über die Schreibweise nicht ganz einig. Pragmatisch, wie die Amis seien sollen, nahm man den Namen Chicken. Natürlich kaufte ich mir auch hier ein T-Shirt!



Hier seht Ihr sämtlich Häuser Chickens. Es gibt nur noch ein Toilettenhäuschen:-)

Danach machten wir noch eine kleinere Wanderung durch eine herrliche Landschaft, die aber nur schwer zu begehen war. Auf dem Boden ging man zwar wie auf Watte, aber das war auch sehr anstrengend, weil man bei jedem Schritt sehr weit "einbrach". An den Raststellen war der "Whisky-Jack", ein Grauhäher unser ständiger Begleiter. Er war so zutraulich, dass er uns beinahe aus der Hand fraß.





Die Ankunft in Tok war ernüchternd. Erstmals hatten wir richtig Pech mit der Unterkunft. Die Zimmer waren schäbig und verräuchert. Dafür entschädigte Frederik uns, indem er uns gegen 23 Uhr aus dem Bett klopfte, um uns einen Blick zum Himmel zu ermöglichen. Durch den Kälteeinbruch der letzten Tage konnten wir Polarlichter sehen, bzw. erleben. Leider hatte ich kein Stativ dabei und mein Versuch die Kamera eine halbe Minute stillzuhalten, reicht nur für eine Dokufoto. Das Erlebnis wird unvergesslich bleiben.





8. September 2004

Den heutigen Tag verbrachten wir leider (!) größtenteils im Fahrzeug.
Dafür war die Aussicht berauschend und wir legten zahlreiche Fotostopps ein.









Erstmals konnten wir auch einen Blick auf die berühmte Pipeline Alaskas werfen. Hiermit wird das Erdoel von der Prudhoe Bay nach Valdez transportiert. Über diese Pipeline und ihren Bau hatte ich im Vorfeld meiner Reise schon so viel gelesen, daß es den Rahmen hier sprengen würde, wenn ich alles wiedergeben wollte.



Immer weiter ging es über den Glenn Highway, auf den man sich ohne weiteres für eine Aufnahme mal mitten auf die Straße stellen konnte. Die Verkehrsdichte ist nicht mit deutschen Straßen vergleichbar.



Endlich machten wir auch ein Wanderung, zwar nur eine sehr kurze, aber dafür in einer wunderschönen Gegend.
Hier der Ausgangspunkt dieser kleinen Tour:



Am frühen Abend erreichten wir Anchorage und der Betrieb dieser Stadt versetzte, zumindest mich, fast schon in einen kleinen Kulturschock. Nach der Einsamkeit der vergangenen Tage, empfand ich die Stadt mit den breiten Straßen plötzlich nur riesengroß.
Dabei hat die größte Stadt Alaskas, die aber nicht die Hauptstadt ist, "nur" ca. 270.000 Einwohner.
Unser Hotel lag direkt am meistfrequentierten Wasserflughafen der Welt und ich verbrachte lange Zeit damit, die Starts und Landungen der kleinen Flugzeuge zu beobachten. So etwas hatte ich noch nie zuvor gesehen.



Am Abend guckten Claudia und ich noch Misery im Fernsehen, konnten aber trotz der Spannung gut schlafen.



9. September 2004

Die Fahrt entlang des Turnagain- Meeresarms zeigte uns wieder eine Naturschönheit nach der anderen.



Wir besuchten kurz den Portage Glacier, zu dem wir direkt mit dem Bus vorfuhren. Am Nachmittag machten wir eine Wanderung zum Exit Glacier. Die im Reiseprospekt angebotene Tour mit dem Hundeschlitten entfiel leider. Ein Nachteil, den wir dem Umstand zu verdanken hatten, daß die Saison so gut wie zu Ende war. Auf dieser Wanderung konnten wir die ersten Schneeziegen beobachten. Leider waren sie ziemlich weit weg und nur meinem Teleobjektiv war es zu verdanken, daß ich sie überhaupt fotogrfieren konnte.



Seward, ein Ort auf der Kenai Halbinsel Peninsula, war so richtig nach meinem Geschmack.
Hier der Hafen von Seward



Irgendwie erinnerte mich dieser Anblick an "Die Vögel" von Alfred Hitchcock



Camping wird anscheinend auch zu kälteren Jahreszeiten in Alaska praktiziert. Das wäre auch etwas für mich.



Die Möwen ließen sich die unzähligen toten Fische schmecken, die in großen Mengen am Strand angespült wurden.



Die Hauptstraße Sewards



Eine Hauswand, die auf das berühmte Iditarod Rennen hinweist.



Ein traumhafter Sonnenuntergang in Seward



Abends ließen Claudia und ich es uns in einem chinesischen Restaurant richtig gut schmecken.



10. September 2004

Ausgerechnet zur heutigen Fjordfahrt mit einem Schiffchen, die mehrere Stunden dauern sollte, war das Wetter nicht so dolle. Dunkle Wolken, Regen und starker Winde begleitete uns.
Das positive des Tages möchte ich aber gleich vorwegnehmen: Ich wurde nicht seekrank!!

Auch vor grauem Himmel gefielen mir die Möwen



Und nicht nur die! Irgendwie mochte ich auch die ganze Atmosphäre dieses Tages. Immer nur "Schönwetterbilder" zu machen ist ja fast schon etwas eintönig. Gerade diese Berge und Felsen, strahlen bei diesen Wetter etwas Geheimnisvolles aus.






Zwischendurch durchbrach die Sonne auch schon mal die Wolkendecke und ließ diese kleinen Wasserfälle, die wir mehrfach zu sehen bekamen, zur Geltung kommen.



Besonders beeindruckend war dieser Gletscher, den wir nach einigen Stunden erreichten. Der Kapitän stellte den Motor des Schiffes ab und wir konnten das Krachen und Knacken des Gletschers hören. Regelmäßig lösten sich kleine Stücke des Eises und wir erlebten das Kalben des Gletschers hautnah. O.K., es war nicht so spektakulär, wie ich es schon im Fernsehen gesehen hatte, aber für einen bleibenden Eindruck reichte es allemal.





Plötzlich kam eine Durchsage übers Mikro, die ich aber nicht verstehen konnte, da meine Ohren dich verpackt unter meiner Kaputze waren. Das Schiffchen machte plötzlich eine scharfe Wendung um umkreiste einen Papageientaucher. Leider schaukelte alles um mich herum so sehr, daß es mir kaum gelang, den Vogel abzulichten. Letzt wußte ich aber wenigstens, worauf man uns aufmerksam machen wollte.



Beim nächsten Wendemanöver sollte es noch wackeliger werden, aber dafür war auch diesemal der Grund einleuchtend. Erstmals sah ich Seelöwen in freier Wildbahn.



Vom Erlebniswert her, war die nächste Begegnung noch größer. Allerdings möchte ich hier alle Besucher meiner Homepage um Vertrauen bitten. Die Spritzer auf diesem Bild stammten tatsächlich von einem Orca! Es war mir leider nicht möglich, diese Tiere besser zu treffen, aber die tauchten auf wo sie wollten und nahmen keinerlei Rücksicht auf mich. Ich trage es ihnen aber nicht nach:-)



Zum Ende der Fahrt, ich hatte gerade meine Kameraausrüstung zusammengepackt, entdeckten wir noch drei Seeotter, die sich auf dem Rücken liegend im Wasser vergnügten. Diese Tiere übertrafen meine Erwartungen noch um Längen. Es schien ihnen richtig Spaß zu machen, einige Kunststücke für uns Touris vorzuführen. Sie drehten sich im Kreise, tauchten zwischendurch unter und legten sich immer wieder rücklings aufs Wasser. Bis ich die Kamera wieder startklar hatte, waren wir leider schon wieder auf der Weiterfahrt. Das sollte mir eine Lehre sein, die Kamera nie wieder zu früh wegzulegen.





Nach 6 Stunden ging eine eindrucksvolle Seefahrt zu Ende. Wir waren alle etwas durchgefroren, aber es hatte sich zweifelsohne gelohnt die Tour zu machen. In kleinerer Besetzung machten wir am frühen Abend noch eine kleine Wanderung entlang eines Flusses. Wir entdeckten zwar ganz frische Elchspuren, aber die Tiere selbst bekamen wir nicht zu Gesicht. Später ließen Claudia und ich den Abend beim Essen in unserem Hotel ausklingen und hatten richtig Spaß daran, daß wir beide unsere Ausweise vorlegen mußten, weil Claudia sich ein Bier bestellte. Mein Einwurf, ich hätte doch nur eine Cola bestellt, rettete mich nicht. Ich hätte ja mal am Bier nippen können. War ein tolles Gefühl, mit 44 Jahren beweisen zu müssen, schon 18 zu sein!



11. September 2004

Früh am Morgen brachen wir auf um die 600 Kilometer zum Denali Nationalpark zurückzulegen. Schon früh erlebten wir einen wahren Höhepunkt des Tages. Auf der Fahrt entlang des Turnagain-Meeresarms konnten wir eine Belugawalschule beobachten, die uns eine geraume Zeit neben der am Wasser entlang führenden Straße begleitete. Natürlich legten wir sofort einen Fotostop ein, aber ausnahmsweise versuchte ich gar nicht, dieses Naturschauspiel mit der Kamera festzuhalten. Es gibt Momente, da genießt man einfach nur. Genau das tat ich.
Obwohl wir heute viele Stunden "nur" im Bus saßen, kam keine Langeweile auf. Berauscht von der Aussicht verging, zumindest für mich, die Fahrt wie im Fluge. Einzelne Stops nutzte ich dazu, einige Aufnahmen zu machen.





Am Hotel in der Nähe des Nationalparks angekommen, luden wir nur schnell unser Gepäck aus und kauften etwas Essbares für den nächsten Tag ein. Anschließend bekamen wir die Glegenheit, eine Rundflug um den Mt.Mc Kinley, den die Ureinwohner Alaskas, "The first Nation" Denali nennen. Übrigens sollte dies im Jahr 2007 wieder der offizielle Name dieses Berges werden!

Im Büro des winzigen Flughafens zahlte ich für die teuerste Stunde meines Lebens, was mir als Lipperin, die ja bekanntlich sparsamer als die Schotten sind, besonders schwer fiel. Dann kam noch die unangenehmste Frage, die man mir überhaupt stellen konnte. Man wollte doch tatsächlich das Gewicht der Fluggäste wissen. Peinlich! Jetzt hatte ich ein Problem. Sollte ich die Wahrheit beschönigen, also ein wenig mogeln, oder würde ich dadurch einen Flugzeugabsturz herbeiführen? Letztlich gab ich dann aber doch die richtigen Werte an, bemerkte aber ausdrücklich, daß dies Gewicht nur durch meine schwere Kameraausrüstung zu Stande käme.
Warum lachten die Umstehenden bloß???
Erst dannach sah ich die Start- und Landebahn. Eine Schotterpiste! Eigentlich hatte ich doch Flugangst - und jetzt das. Der Pilot der kleinen Maschine wies uns unsere Plätze zu, übergab uns Kopfhörer und erzählte noch einiges, was ich nicht verstand. Ich kann nicht Übersetzen und Beten gleichzeitig. Letzteres erschien mir wichtiger.



Hier ein Blick ins Innere des Flugzeugs

Ich habe nie ein Hehl daraus gemacht, daß ich an Gott glaube, aber so nah wie in dieser Stunde war ich meinem Herrn selten! Bei jeder geflogenen Kurve schickte ich ein Stoßgebet zum Himmel. Und es hat geholfen. Die Aussicht war fantastisch! Zwar kämpfte ich mit Angst und Übelkeit, aber ich konnte mich dem Gesehenen nicht entziehen und muß im Nachhinein zugeben, daß sich jeder Cent den ich für diesen Flug bezahlt hatte, gelohnt hat.



Der Gipfel des Denalis, bzw. Mt.McKinleys



Es war einfach nur schön!

Zu meinem großen Erstaunen, landeten wir nach genau einer Stunde sogar wieder sicher auf der Schotterpiste und lebten alle noch. Dem Himmel sei Dank!



Unser Flugzeug - ab sofort habe ich keine Flugangst mehr!!

Anschließend ging ein Teil unserer Reisegruppe noch in ein Restaurant zum Abendessen. Der Raum in dem wir saßen war urgemütlich und die Speisekarte saß auch gut aus. Der Haken kam erst, als einige meiner Mitreisenden sich ein Bier bestellen wollten. Alkoholausschank gab es hier nicht. Wir mußten die Räumlichkeiten wechseln und aßen dann in einem sehr ungemütlichen und lauten Raum. Mir war aber nach dem Flug alles egal. Ich hatte überlebt.-



12.September 2004

Heute ging es endlich in den Denali Nationalpark. Darauf hatte ich mich schon besonders gefreut, zumal die Chance, endlich Bären und Elche zu sehen groß sein sollten. Zunächst ging es in einem ausrangierten Schulbus, der hier niemals durch den TÜV gekommen wäre, über abenteuerliche Schotterpisten bergauf. Zwischendurch stiegen zwei Ranger ein und gaben uns Verhaltensmaßregeln für das Zusammentreffen mit Bären mit auf den Weg, bevor sie den Bus wieder verließen. Mir schien die Gefahr eines Absturzes auf den engen Wegen vorerst viel größer zu sein, als die, von Bären zerfleischt zu werden. Die Ranger werden schon wissen, warum sie wieder ausgestiegen sind!



Auf diesen Wegen (oben rechts) fuhren die Busse, sogar mit Gegenverkehr!

Schon nach kurzer Zeit trafen wir die ersten wilden Tiere, wenn auch zunächst nur Ptarmigans, die ich ja schon in den Tombstones Mountains gesehen hatte. Kurz darauf lagen auf einer Anhöhe die ersten Dallschafe.



Und dann war es endlich soweit. Zwar ziemlich weit weg, aber doch klar erkennbar, sahen wir die ersten Elche.



Wenn ich beim Start der Busfahrt noch Bedenken hatte, nicht den richtigen Siztplatz ergattert zu haben, falls die Tiere auf der für mich falschen Seite erscheinen sollten, wurde ich jetzt eines Besseren belehrt. Sobald irgendwo Tiere auftauchten, wurde ich von einem sehr netten Banknachbarn auf der mir gegenüberliegenden Seite ans Fenster gerufen. Im schönsten Schweizerdeutsch bat er mich darum, ihm später Bilder zu schicken. Er traute meinem Teleobjektiv wohl doch etwas mehr zu, als seiner kleinen Kompaktkamera. Um es gleich vorweg zu nehmen, der Kontakt zu "meinem Schweizer" blieb nicht nur auf der Fahrt, sondern auch später via Internet, sehr gut. Zwar stellte es ich heraus, daß Roger aus Seattle und nicht aus der Schweiz kam, aber das störte mich nicht im Geringsten. Er schrieb mir später auch noch, daß wir den letzten schönen Tag des Jahres für unseren Tagesausflug erwischt hatten und unser Rundflug um den Gipfel des Denalis der letzte des Jahres gewesen sein sollte. Glück muß man haben!

Jetzt war es soweit, wir sahen den ersten Bären.
Ein einzelnes Männchen war der erste wildlebende Bär, den ich in meinem Leben gesehen habe.



Dieser Begegnung folgten im Laufe des Tages noch viele.
Besonders gefielen mir eine Bärin mit ihren beiden Jungen, die wir eine ganze Weile beobachten konnten.



Beinahe kam es dann ausgerechnet bei dieser kleinen Familie zu einer sehr gefährlichen Begegnung. Verdeckt von einem Hügel, näherte sich ein einzelnes Männchen der Truppe. Im letzten Moment erkannte die Bärin die Gefahr und ergriff mit den Kleinen die Flucht. Erwachsene Bärenmänner sind eine große Gefahr für Jungtiere. Sie töten sie oft, um das Weibchen für sich zu haben. Dabei spielt es keinerlei Rolle, ob es sich um den eigenen oder fremden Nachwuchs handelt. Rauhe Sitten in einem rauhen Land!

Gegen Mittag erreichten wir einen Viewpoint im Park, an dem die Bustour endete. Vor dem Gebäude lagen Elchschaufeln und Karibugeweihe. Ich war sehr überrascht über das Gewicht, das diese Tiere ständig mit sicht tragen müssen.



Als ich mich gerade im Inneren des Viewpoints aufhielt, kam Frederick aufgeregt ins Gebäude und zog mich aus diesem heraus, um mir riesige Schwärme von Kranichen zu zeigen, die gerade über den Wildpark zogen.



Jetzt war es eigentlich geplant, ein Stück mit einem anderen Bus zu fahren und dann eine Wanderung mit der ganzen Truppe durch den Park zu machen, aber da inzwischen ein kleiner Schneesturm aufzog, mußte Frederick das Vorhaben absagen. Claudia und ich waren darüber ziemlich enttäuscht und auch Frederick machte den Eindruck, als ob er trotzdem gern gewandert wäre. Darum beschlossen wir, daß wir drei doch eine Tour machen wollten und der Rest der Truppe mit dem Bus zum Parkausgang fahren und dort noch eine kurze Wanderung auf einem gut gekennzeichneten Trail machen sollte. Wir stiegen schon wesentlich früher aus um die geplante Tour zu machen. Im letzten Moment entschied sich noch ein Paar aus der Gruppe uns zu begleiten. Frederick führte uns durch ein ausgetrocknetes Flußbett, wobei die Betonung nicht unbedingt auf "trocken" gelegt werden durfte.



Immer wieder durchquerten wir Rinnsale und hatten wirklich Mühe, nicht ins Wasser zu fallen. Glücklicherweise hatte das Schneetreiben schon wenige Minuten nach unserem Aufbruch aufgehört und wir waren nur noch dem Wind und der Kälte ausgesetzt. Beim Überqueren der Wasserstellen entwickelte ich meine ganz eigene Technik. Da ich nicht so lange Beine wie Claudia habe, versuchte ich erst gar nicht, mit langen Schritten oder Sprüngen drüber hinweg zu kommen. Ich suchte mir nicht so tiefe Stellen und vertraute auf die Wasserdichte meiner Wanderstiefel. Lieber war ich bereit nasse Füße zu bekommen, als mit meiner Kameraausrüstung, ins Wasser zu fallen. Marianne hatte noch kürzere Beine als ich und nahm ein unfreiwilliges Bad.



Da sie nun eine nasse Hose anhatte und es wirklich kalt war, brachen wir unsere Expedition ab und kämpften uns wieder zurück durch das "trockene Flußbett" zur Straße, wo wir einen Bus anhielten, der uns zum Ausgang des Denali Nationalparks brachte.

Unterwegs trafen wir noch auf einen Grizzlybären, der sich genußvoll am Ohr kratzte.



Auf dem Rückweg vom Park zu unserem Hotel, trafen wir noch eine Elchkuh mit Kalb, mitten auf der Straße. Vorsichtig näherte ich mich ihnen mit der Kamera, wohl wissend, daß in Alaska mehr Menschen durch Elche als durch Bären zu Schaden kommen. Diese Tiere sind wesentlich aggressiver als sie aussehen. Nun, unsere beiden machten einen eher friedlichen Eindruck und verließen nach dem Fotoshooting die Fahrbahn. Ein tolles Erlebnis zum Tagesabschluß!







13. September 2004

Als wir morgens aus dem Hotel traten, stellten wir fest, daß es in der Nacht geschneit hatte. Frederick war darüber wenig erfreut, schließlich sollte er uns heute noch bis Anchorage fahren. Es stellte sich jedoch heraus, daß diese kein Problem war, denn es hörte auf zu schneien.



Die Fahrt war lang und da das Wetter nicht so einladend wie zuvor war, versuchte ich unterwegs etwas zu schlafen, was mehr schlecht als recht gelang. In Anchorage hatten wir am Nachmittag Zeit für uns, ein Luxus, den wir auf dieser Fahrt eigentlich noch gar nicht hatten. Ich besichtigte die Stadt und bewunderte die vielen Malereien auf den Hauswänden, die auf das berühmte Iditarodrennen hinweisen.









Mehrere Male war ich in einem Geschäft, das Iditarodartikel aller Art anbot. Ich war hin und her gerissen, ging aber letztlich doch ohne etwas zu kaufen wieder heraus. Abends gingen wir alle zusammen noch einmal in ein Redstaurant und feierten so eine Art Abschied.
Nach dem Essen genossen wir noch einmal einen richtig schönen Sonnenuntergang, der einen gelungenen Abschluß des Tages und auch diesem Teil meiner Reise, den richtigen Rahmen gab.





14. September 2004

Bereits um 8 Uhr morgens trafen wir uns mit den gepackten Koffern vorm Hotel. Meine Koffer durfte ich an der Rezeption deponieren, die anderen kamen in den Trailer. dann fuhren wir alle gemeinsam zu "Fred Meyers", einem riesig großen Supermarkt. Hier konnte man einfach alles kaufen, von der Zahnbürste bis zur kompletten Möbeleinrichtung. Da ich beides nicht benötigte, erwarb ich nur 2 CDs mit Country Musik, hielt mich aber ebenso lange in diesem Einkaufsparadies auf, wie meine Reisekameraden, die sich noch mit Mitbringseln aller Art eindeckten. Nach dem Einkauf machten wir noch einen Spaziergang am Strand. Hier entstand noch das folgende Bild.



Ein letztes Mal kam Panik auf, weil ein Ehepaar aus der Gruppe nicht am vereinbarten Treffpunkt erschien. Noch einmal Warten, Suchen und steigende Ungeduld der Truppe, die doch pünktlich am Flughafen sein wollte. Schließlich fuhren wir ohne die beiden Abtrünnigen zum Hotel zurück, wo die beiden schon vergnügt auf uns warteten und gar nicht verstanden, warum alle böse auf sie waren. Leute gibt`s! Natürlich fuhr ich noch mit, meine Reisebekanntschaften zum Flughafen zu bringen. Dort fiel der Abschied sehr kurz aus, da ja schon viel Zeit verloren gegangen war. Frederick zeigte mir noch den Flughafen für Innlandflüge, zu dem ich am Abend mußte und brachte mich zum Hotel zurück. Unterwegs bot er mir noch das Du an und erklärte mir, warum er das nicht schon zu Beginn der Reise getan hatte und vor allem, warum er sich nicht mit allen Gästen verbrüdern wollte. Frederick hat wirklich schon viele, sehr unterschiedliche Erfahrungen mit Gästen gemacht, da wird man wohl mißtrauisch. Am Hotel verabschiedeten wir uns und ich stand nun endgültig allein in Alaska, ein merkwürdiges Gefühl. Zuerst ging ich noch einmal zum Floatplane-Airport und beobachtete die startenden und landenden Flugzeuge. Dann traf ich auf einen Amerikaner, der sich sehr merkwürdig verhielt. Er ging auffallen oft um genau die Bank herum, die ich für mein Picknick ausgesucht hatte und ich war schon leicht besorgt, ob er es auf meinen Rucksack oder meine Verpflegung abgesehen hätte. Beides war aber nicht der Fall. Ich hatte nur erstmals Bekanntschaft mit einem Geo-Cacher gemacht. Seinen "Schatz" fand er mit Hilfe eines GPS-Geräts genau unter meiner Bank in einer unter der Sitzfläche befestigten Dose. Wieder hatte ich etwas Neues kennengelernt.
Nach dem Picknick wurde mir doch arg kalt und ich beschloß ins Hotel zu gehen und noch ein paar E-Mails abzurufen bzw. zu schreiben. Leider lief die ganze Zeit die Klimaanlage auf vollen Touren, so daß es mir auch im Hotel zu kalt wurde. Ich machte also noch einen langen Marsch durch die Wohnsiedlungen rund um den See, an dem das Hotel lag. Dabei machte ich noch ein paar Aufnahmen.









Gegen 19 Uhr ließ ich mich dann vom Hotel-Shuttle zum Flughafen bringen. Dieser Teil des Flughafens kam einem Museum gleich und ich bereute sofort, nicht schon viel früher hierher gekommen zu sein. Ich besichtigte einige Ausstellungstücke, kehrte aber doch schon recht bald zum Check-In an den Schalter. Hier sorgte die Angestellte des Flughafens für ein sehr mulmiges Gefühl in meiner Magengegend, als sie mir erklärte, auf meinen Namen sei kein Flug gebucht. Kurze Ratlosigkeit auf beiden Seiten, dann jedoch kam eine jüngere Dame an den Schalter, bat noch einmal um meinen Ausweis und klärte sie Sache auf. Die erste Mitarbeiterin hatte mich zur Holländerin gemacht, und somit stimmte alles andere auch nicht mehr. Als deutsche "Antje" (wer es nicht weiß, das ist ein holländischer Name!) konnte ich den gebuchten Flug dann doch antreten. Hundemüde und total erledigt setzte ich mich um 22 Uhr in den Flieger an Minneapolis, einen Ort, den ich bisher nur aus der TV-Serie "Unser kleine Farm" kannte und versuchte etwas zu schlafen. Leider mißlang das total.



15. September 2004

Um 6.30 Uhr (OZ) landeten wir bei strömenden Regen in Minneapolis und ich hatte das erste und einzige Tief meiner Reise erreicht.
Warum bin ich nicht mit den anderen nach Hause geflogen, warum muß ich Depp noch nach Ontario fliegen?
Hier saß ich jetzt total übermüdet und entnervt am Flughafen, mußte mir auf einer schäbigen Toilette die Zähne putzen und aß ein schreckliches Frühstück in einem total ungemütlichen Lokal, das den Charme einer Bahnhofskneipe hatte.
Irgendwie gingen aber auch die 4 Stunden Aufenthalt hier zu Ende und ich stieg in den Flieger nach Toronto. Wo mein Gepäck wohl geblieben ist??
Erstmals bekam ich einen Fensterplatz, ein Lichtblick.
Gleich nachdem wir die dichte Wolkenschicht über Minneapolis durchbrachen und es heller wurde, besserte sich auch meine Laune.
Als wir uns Toronto und den großen Seen näherten, waren keine Wolken mehr da und ich fühlte mich wieder richtig wohl. Ich bestaunte die riesigen Straßen und die weiten Flächen. Nach der Landung machte ich mich ganz allein auf die Suche nach meinem Gepäck. Alle anderen Fluggäste schienen nur Handgepäck dabei gehabt zu haben. Als ich vom Zoll angesprochen wurde, ob ich eine größere Geldmenge einführen würde, mußte ich das leider verneinen, so viel besaß ich noch nie! Ich fragte dann gleich nach meinem Gepäck und man schickte mich zu einem Gepäckband an dem ich ganz allein stand und das auch noch gar nicht lief.
So hatte ich mir den Flughafen von Toronto wirklich nicht vorgestellt. Plötzlich schaltete sich das Band ein und ein einzelner Koffer, meiner(!) schob sich aufs Band. Das war ein Erfolgserlebnis.
Nur wenige Meter vom Gepäckband entfernt, ging ich durch eine Absperrung und dahinter standen nur zwei Personen, meine Gastgeber für die nächsten Tage. "You are wellcome" lautete die freundliche Begrüßung. Schnell ging es zum Auto und auf die Fahrt nach Guelph, einer Universitätsstadt, etwa eine Autostunde von Toronto entfernt.
Dort angekommen bezog ich mein Zimmer für die nächsten Tage und merkte sofort, daß jetzt der bequemere Teil meiner Reise beginnen würde. Inzwischen war es Nachmittag geworden und wir machten einen kleinen Ausflug in die nähere Umgebung. Grund dazu gab uns ein Eichhörnchen, das in einer Falle im Garten gefangen wurde und in ländlicherer Gegend ausgesetzt werden sollte. Leicht schmunzelnd bemerkte ich, daß ich eigentlich dachte, jetzt wieder in einer zivilisierten Gegend zu sein, statt dessen lebte ich jetzt in einer Trapperfamilie, die Pelztiere fing!



Im Gegensatz zu dem doch recht kalten Wetter in Alaska, begegnete ich jetzt in Ontario wieder dem Sommer. Darauf war ich gar nicht gefaßt. Mir fehlte eine Sonnenbrille und Sommerkleidung! Plötzlich traf ich wieder Insekten und blühende Blumen.







Ein schöner Spaziergang durch Guelph, die Besichtigung der Universität, der abendliche Besuch eines Griechischen Restaurants und ein gemütlicher Abend mit netten Gesprächen rundeten den für mich endlosen Tag ab und ich fiel müde und zufrieden ins Bett.





Kunst in Guelph - Auf den Bildern sieht man die Plastik eines Kopfes, der von vorn und hinten betrachtet, völlig anders aussah.





16. September 2004

Im Gegensatz zu den letzten 2 Wochen, konnte ich heute mein Frühstück in Ruhe genießen. Das lag nicht nur daran, daß kein Reiseleiter zum Aufbruch drängte, sondern auch an dem doch eher deutschen Frühstück. Es gibt Lebenssituationen, da genießt man einfach das, was man kennt!
Nach dem Frühstück fuhren wir zu den Niagarafällen. Der Wunsch, diese Fälle einmal zu sehen, stammt noch aus meiner Kinderzeit. Stundenlang bestaunte ich sie damals in einem Bildband meiner Mutter und nahm mir fest vor, diese einmal zu besuchen. Heute war es soweit. Meine Gastgeber ließen es sich nicht nehmen, mich in einem Aufzug einen Hang herunterfahren zu lassen und mir somit sofort einen fantastischen Blick auf die Fälle zu bescheren.



Auch aus der Nähe betrachtet, konnte ich mich gar nicht sattsehen an den "donnernden Wassern",
wie sie in vielen Büchern beschrieben werden.



Obwohl ich an diesem Punkt ewig hätte stehen bleiben können, schafften wir es doch noch,
das Stück bis zu den amerikanischen Fällen zu gehen.



Im Vorfeld wurde mir immer gesagt, die kanadischen Fälle wären viel schöner als die amerikanischen. Ich wollte hier keine Wertung vornehmen, beide sind absolut sehenswert, nur sollte man doch unbedingt auf den kanadischen Seite stehen, da hat man eindeutig den besseren Blick auf beide Wasserfälle.



Ich wollte es mir auf keinen Fall nehmen lassen, auch einen Blick hinter die Fälle zu werfen. Also machte ich eine Führung durch die in den Fels geschlagenen Tunnel mit. Meine Gastgeber hatten mit zwar angedeutet, daß dies nicht so lohnend sei, aber ich hätte es wahrscheinlich bis heute bereut, wenn ich es nicht getan hätte. Jetzt weiß ich, es muß wirklich nicht sein:-)
Für nur ein lohnenswertes Bild bin ich trotz Regencapes ordentlich naß geworden!



Das sollte sich jedoch als Vorteil herausstellen, da wir auf dem Weg zum Mittagessen in einem Restaurant auch noch einen kräftigen Regenschauer abbekamen.



Hier ein Bild meiner Gastgeber in Ontario. Doris und Manfred waren die perfekten Fremdenführer!

Nach dem Mittagessen (ein vollkommen neues Gefühl, wieder regelmäßige Mahlzeiten zu sich zu nehmen) besichtigten wir noch das Casino und "The Town of Niagara" um dann auf dem Rückweg noch in einem Weingut einzukehren und Wein für den Abend zu besorgen.





Der Abend wurde entsprechend gemütlich und ich fiel, von den vielen Eindrücken und dem Wein erschlagen, ins Bett.



17. September 2004

Für diesen Tag hatten meine Gastgeber einen Ausflug nach Midland geplant um dort das Huronia Museum, Sainte Marie zu besichtigen. Diese authentisch rekonstruierten Missionsstation der französischen Jesuiten ist eines der interessantesten Museumsdörfer Kanadas. Selbst die Vorratsräume sahen sehr echt aus.



In den Sommermonaten führen Studenten die einzelnen Tätigkeiten der damaligen Zeit in den damaligen Trachten aus. Da nun aber die eigentliche Saison beendet war, mußte der Professor selbst Hand anlegen.



Ein modern eingerichtetes Büro fehlte ebenso wenig



wie ein ordentliches Brettspiel, was mich als Spielefreundin, besonders freute.



Da es sich um eine Missionsstation handelt, darf ein Altar natürlich nicht fehlen



Leider brachten die Europäer aber auch Krankheiten mit, die ihre Opfer fanden.



Besonders beeindruckte mich das Krankenhaus, das nach damaligen Verhältnissen wohl in Ordnung war, uns heute aber einen Schrecken einjagt.



Für mich war dieser Ausflug ein wirklicher Höhepunkt der Reise, da ich in den letzten Jahren sehr viele Bücher über genau dieses Thema gelesen hatte.

Nach einem späten, aber besonders leckerem Mittagessen machten wir uns auf den Rückweg. Unterwegs nötigte ich meine Gastgeber noch einmal zu einem kurzen Fotostop um diese Kanadagänse zu fotografieren. Ich konnte ja nicht ahnen, daß ich diese Tiere am folgenden Tag noch in größeren Mengen sehen sollte. Die Sache mit den Weißkopfseeadlern hat mich vorsichtig werden lassen. Den Abend ließen wir ähnlich ruhig ausklingen wie am Vortag. Langsam kam wieder Ordnung in mein Leben:-)





18. September 2004

Toronto war das Ziel des Tages.
Das war ursprünglich der unwichtigste Programmpunkt meines Aufenthalts in Ontario. Großstädte mag ich nicht besonders, aber ich wollte nicht unhöflich sein. Dann übertraf diese Stadt aber all meine Erwartungen. So eine schöne Großstadt hatte ich noch nie gesehen und ich genoß jeden Augenblick des Tages!
Gleich nach der Ankunft auf dem Parkplatz, gingen wir auf ein Boot und setzten zu einer der Stadt vorgelagerten Insel, Toronto Island, über. Vom Boot aus hatte man einen herrlichen Blick auf die Skyline von Toronto, auch wenn der mich ein ganz klein wenig an den 11. September 2001 erinnerte.



Auf der Insel angekommen kam ich aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Die ganze Insel ist ein großer Freizeitpark, man sah nur vergnügte Menschen, viele Kanandagänse, ein Blumenmeer und vieles andere. Außerdem ein Schild, das mir die Kanadier noch sympathischer machte.



Rundherum das augenscheinlich saubere Wasser des Ontariosees, auf dem viele Wassersportler zu beobachten waren. Hier hätte ich mich gern aussetzen lassen:-)



Viel zu schnell verging die Zeit und wir machten uns wieder auf den Rückweg. Hier überraschte mich die Harmonie zwischen Alt- und Neubauten ebenso, wie die Sauberkeit der Stadt. Nicht schlecht staunte ich, als meine Gastgeber mir erzählten, daß hier öfters amerikanische Filme gedreht würden. Dazu müßte dann extra Müll auf den Straßen verteilt werden, damit es auch amerikanisch wirkt! Den berühmten CN-Tower besah ich mir nur von unten, ich hatte doch wieder Bedenken, daß mein Schwindel mir die Aussicht von oben trüben würde. Ein Entschluß, den ich im Nachhinein sehr bereue.
Muß ich eben noch einmal hin!!



Das große Stadion inmitten der Stadt konnten wir nicht besichtigen weil gerade irgend ein Spiel stattfand, aber auch von Außen war es sehr beeidruckend. Mir gefiel vor allem diese Skulptur, die das Publikum der Spiele darstellen sollte.



Zum Mittagessen besuchten wir eine Restaurant am See. Wir saßen im Freien mit Blick aufs Wasser, kaum zu glauben, daß ich wenige Tage zuvor Wanderungen bei Minustemperaturen gemacht hatte. Ich habe sehr viele zeigenswerte Fotos gemacht, kann sie aber unmöglich alle zeigen. Daher empfehle ich nur jedem Besucher dieser Homepage, diese Stadt selbst zu besuchen.



Zurück zum Parkplatz nahmen wir ein Taxi, indem ich auf dem Rücksitz ein Portemonnaie fand. Dies wollte wir dann eben noch einem Polizisten übergeben, aber genau wie in Deutschland, wenn man wirklich mal einen sucht, ist keiner zu finden. Mir gefiel dieser Umstand eigentlich ganz gut, den auf der Suche nach einer Polizeistation, sah ich noch sehr viel von der Stadt. Leider fanden wir dann aber doch eine, konnten das Fundstück abgeben und nach Hause fahren. Es erübrigt sich zu erwähnen, daß ich abends wieder total geschafft von den vielen neuen Eindrücken ins Bett fiel und sofort einschlief.



19.September 2004 - Der letzte Tag

Für heute war noch ein Ausflug nach Conestoga, westlich von St. Jacobs geplant. Dort gibt es ein Versammlungshaus indem die Altemeonniten jeden Sonntag ihren Gottesdienst feiern.



Als Pferdeliebhaberin beeindruckte es mich maßlos, daß so viele Pferde hier ohne Aufsicht angebunden stehen und geduldig warten. Da die Mennoniten aber nicht nur zur Kirche mit Pferd und Wagen fahren, sind die Tiere wohl ganz anders einzuschätzen als unsere Sportpferde.





Das Gemeindehaus verfügt über zwei Ein- bzw. Ausgänge. Einen für Männer, die sich beim Heraustreten die Hüte aufsetzen, so daß es fast wie ein sich öffnender Reißverschluß aussieht



und einen für Frauen und Kinder. Die Damen tragen unter dem Kinn zugebundene Gebetshauben.



Nach dem Gottesdienst finden dann recht lange Gespräche statt und es dauerte lange, bis sich die ersten Gläubigen zum Aufbruch fertig machten. Bezeichnenderweise waren es in erster Linie die Herren, die einfach keine Ende zu finden schienen.



Geduldig warteten wir es ab, bis die Herren soweit waren ihre Damen mit den Pferdewagen abzuholen. Meine persönlichen Fremdenführer berichteten mir noch, daß die Mennoniten sich lange dagegen gewehrt haben rückstrahlende Warndreiecke an den Wagen zu befestigen. Für sie war das Schmuck, und den lehnen sie ab. Da sie aber auch im Dunklen mit diesen Fahrzeugen unterwegs sind, bestand die Canadische Regierung aber aus Sicherheitsgründen darauf. Für mich sehr einleuchtend.



Beim Fotografieren hatte ich ein klein wenig Bedenken und versuchte es so diskret wie möglich zu machen.
Den Altmennoniten ist es nämlich sogar untersagt eine Kamera zu besitzen.
"Du sollst dir keine Bild machen in keinerlei Gestalt, weder dessen was oben im Himmel, noch dessen was unten auf Erden,
noch dessen was in den Wassern unter der Erde ist" heißt es in 5. Mose 5,8
Mein Glaube ist glücklicherweise nicht so streng!
Dies sollte auch das letzte Bild meiner Reise sein. Nach einem letzten leckeren Mittagessen in St. Jacobs ging es direkt zum
Flughafen nach Toronto und ich ließ mich am Flughafen absetzen.
Hier war ich nun wieder auf mich allein gestellt und glaubte sofort nicht richtig zu verstehen, als man mir am Schalter mitteilte, daß der Bus zum Flieger eine Dreiviertelstunde bräuchte. Ich wollte doch nach Hause fliegen und nicht fahren. Bestimmt habe ich da etwas missverstanden. Zum Glück machte ich mich aber doch zeitig auf den Weg und mußte feststellen, daß mein Englisch doch nicht so schlecht ist, es dauerte wirklich so lange. Beim Zoll stieß dann noch mein kleiner Objektivpinsel auf Misstrauen, aber das ließ sich leicht aus der Welt räumen, ich hatte ja nichts zu verbergen. Wenige Minuten vorm Einstieg ins Flugzeug saß ich nun im Terminal und da kamen sie, die ersten Tränen der Reise. Es waren aber Freudentränen, weil ich nun endlich meinen Traum verwirklicht hatte. Da mich hier niemand kannte, war mir das aber ziemlich egal und jetzt, mit dem zeitlichen Abstand, stehe ich auch zu dazu.

Der Rückflug war dann ziemlich chaotisch. Ich saß neben einer Schweizer Reisegruppe, die dem Alkohol recht zugetan war und sehr viel Lärm machte. Dann wurde auch noch der Harry Potter Film unterbrochen um einen Arzt auszurufen, aber schließlich kam ich dann doch heil in Frankfurt an.
Obwohl, so richtig angekommen bin ich eigentlich erst Monate später. In den nächsten Wochen sollte ich noch sehr unter Schlafstörungen leiden und noch monatelang von "meiner Reise" träumen.


Ein Jahr später erkrankte ich übrigens und hätte diese Reise bis heute (2007) nicht mehr antreten können. Von daher glaube ich wirklich, daß mich jemand genau passend losgeschickt hat.-